Nicolaus Raßloffs Blog

touch the blue sky


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Vom Schreibtisch aus die Welt entdecken

Als Lektor für Reiseführer bin ich oft gefragt worden, ob ich bei meiner Arbeit viel auf Reisen bin. Zwar habe ich verneinen müssen, dafür jedoch ging ich häufig virtuell auf Reisen: Auf dem Bildschirm genoss ich per Google-Streetview den Blick auf die Fjorde am Nordkap oder über die roten Dächer von Porto. Es hat mir großen Spaß bereitet, in dem tüchtigen und lebendigen Lektoren-Team von amundo media mit zu arbeiten. Besonders anregend war die Redaktions- und Lektoratsarbeit für die Wohnmobil-Tourguides der Autorin Gaby Gölz (Schwarzwald und Bodensee) und die Städteführer über Regensburg und Aachen aus der Reihe CityTrip.

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Animierte Infografiken bei wissenmedia

Die letzten Monate habe ich für ein MultimediaPen-Projekt von der Bertelsmann-Tocher wissenmedia die Einleitung für mehrere Dutzend Infografiken geschrieben und sieben Datenbanken zu einzelnen Themen erstellt. Wie diese Arbeit mit Recherche und Text genauer aussieht, habe ich am Beispiel des Themas Revolutionen dargestellt (ArbeitsprobeInfografik.pdf). Programmiert wurden die Animationen von der eShaker GmbH aus Gütersloh (deren Website und hier auf facebook).

Der Werbeclip dazu von wissenmedia auf Youtube:


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Reportage über Kommunität Imshausen

Tannenhof der Kommunität Imshausen

Tannenhof der Kommunität Imshausen

Im März habe ich einige Tage in der Kommunität Imshausen verbracht. In der evangelischen Monatszeitschrift „Frohe Botschaft“ ist in der jetzigen Augustausgabe meine Reportage über das evangelische Kloster mit einem Portrait über Bruder Georg erschienen (2,3MB_PDF).


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Ein Nazi-Aussteiger erzählt

Für zwei Veranstaltungen über Neonazis im Mai 2012 habe ich einen Kontakt zwischen dem Nazi-Aussteiger Kevin Müller und dem Bielefelder Bündnis gegen Rechts hergestellt. Am 30. Mai sprach Kevin beim Westfalenkolleg, am 31.in der Volkshochschule Bielefeld. Die Neue Westfälische veröffentlichte am 31.05.2012 ein Portrait über den ehemaligen Kameradschaftsführer unter dem Titel „Die wollen mich tot sehen“.


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Der ägyptische Ungehorsam im Januar 2011

Die Umbrüche in Kairo im Januar 2011 fielen nicht vom Himmel. Der zivile Ungehorsam wurde studiert, trainiert und schließlich umgesetzt. Hier kommt eine Zusammenfassung über die Mobilisierung in U-Bahnen oder durch Taxifahrer, das Prinzip der dezentralen Organisation, Facebook, die Rolle der Fußballfans und schließlich über die immer noch ernste Menschenrechtssituation in Ägypten unter dem heute regierenden Obersten Militärrat. Der Jahrestag ist Anlass für weiteren massiven Protest gegen das Militärregime.

Die Proteste am 25. Januar 2011 in Kairo waren gut organisiert. Bis 2011 war dieses Datum in Ägypten ein Feiertag zu Ehren der Polizei. Zu den ersten Demonstranten gehörten einfache arme Ägypter aus dem Stadtteil Boulaq Al-Dakrour. Dies behauptet Charles Levinson, der sich hauptsächlich auf den El-Baradei-Mitarbeiter und 41-jährigen Architekten Basem Kamel beruft. Die Gruppe bestand aus gut einem Dutzend Aktivisten von sechs Jugendbewegungen, darunter Anwälte für Arbeiterrechte, Muslimbrüder und nicht zuletzt die Jugendbewegung vom 6. April. Sie riefen im Internet zum Protest an zwanzig verschiedenen Orten in Arbeitervierteln in Kairo auf, um die Repressionskräfte zu beanspruchen. Unterstützt wurden sie von der Facebook-Seite zum Gedenken des zu Tode geschlagenen Bloggers Khaled Said mit damals 380.000 Mitgliedern. Einer der beiden Administratoren war der Google-Mitarbeiter Wael Ghonim. Gleichzeitig rief Asmaa Mahfouz  von der Jugendbewegung 6. April mit einfachen, bewegenden Worten anlässlich des Todes eines von vier Ägyptern, die sich vor dem Parlament verbrannt hatten, zum Protest am 25. Januar auf ( siehe unten bzw. youtube). Anschub gab besonders die Revolution in Tunesien und die Flucht Ben Alis am 14. Januar 2011. Die zwanzig Demonstrationsorte waren in dicht besiedelten Arbeitervierteln, an Plätzen in der Nähe von Moscheen. „Den 21. Ort, den kannte keiner“, so Kamel zum Wall Street Journal. Um Verhaftungen vorzubeugen schliefen die Aktivisten die letzten drei Tage nicht zu Hause und nutzten die Mobiltelefone von Familienmitgliedern oder Freunden. In kleinen Gruppen kundschafte man das Stadtviertel Boulaq Al-Dakrour aus, in dem man besonders viele Flugblätter verteilte. „Sie gaben den Leuten die Idee, dass die Revolution am 25. Januar beginnen würde“, so Kamel. In dem Stadtteil mit den hohen schmalen und meist ungeteerten Gassen im Westen Kairos lebt eine halbe Million Menschen auf 300 Hektar. Es gibt keine öffentliche weiterführende Schule. Die Bewohner sollen das Geld für ein Krankenhaus und Wasserleitungen selbst zusammengelegt haben, wie der Buchjournalist Doug Saunders in seiner Analyse über Migration in Großstädte beschreibt. Die Organisatoren der Proteste gingen davon aus, dass der Erfolg von der Teilnahme einfacher Ägypter aus den Arbeitervierteln abhing. Aus Sicherheitsgründen wurden am Tag selbst von vier Leitungspersonen kleine Gruppen von je zehn Leuten losgeschickt, wobei nur jeweils einer den Treffpunkt kannte: den Hayis-Süßwarenladen in Boulaq Al-Dakrour. Die Gruppen wuchsen an zu einer Masse von 300 Leuten ohne irgendwelche Polizei in der Nähe, so dass Hunderte aus der Nachbarschaft dazu kamen, bis es mehrere Tausend waren, so die Arbeiter des Süßwarenladens. Während die anderen Demonstrationen stärker von der Polizei angegriffen wurden, soll es dieser gelungen sein bis zum Tahrirplatz vorzudringen. [1]

Copyright by Claudia Wiens

weitere außergewöhnliche Fotos aus dem Alltag von Kairo

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Hemley Gonzalez mit einem schwer kranken Mann (Foto: H.Gonzalez)


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Der heilige Schein der Mutter Teresa

Sie wird der Welt als „kleine, gebückte Frau im weißblauen Sari, die immer ein gütiges Lächeln in ihrem zerfurchten Gesicht zeigte“, in Erinnerung bleiben.[1] Ihr Auftreten war resolut und pragmatisch: 1964 wollte Papst Paul VI Mutter Teresa in Bombay besuchen und ihr eine Limousine schenken. Doch als er kam, war sie nicht da. Sie hielt gerade die Hände eines sterbenden Mannes namens Onil: „Gelebt habe ich wie ein Tier auf der Straße, aber nun kann ich wie ein Engel sterben,“ soll er gesagt haben.[2] Mit der geschenkten Limousine veranstaltete Mutter Teresa eine Tombola, die 100.000 US-Dollar eingebracht haben soll.

Inzwischen sind ihrem Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe (Missionaries of Charity) 4500 Schwestern beigetreten. Er unterhält 710 Häuser in 133 Ländern. Recht schnell stößt man bei Mutter Teresa allerdings auf Unstimmigkeiten und Kritik, die kaum mit dem Bild der „Heiligen der Gosse“ zusammenpasst.

„Kuschelzoo des Grauens“

Else Buschheuer, heute TV-Moderatorin beim MDR, arbeitete 2004 sechs Wochen in dem ersten von Mutter Teresa gegründeten Hospiz Nirmal Hriday. Die Patienten bekämen Nummern und wären immer wieder miteinander verwechselt worden. Mundschutz und Gummihandschuhe habe sie sich selber gekauft und am Ende des Tages zerschnitten, damit sie nicht wiederverwendet würden. Oft habe es an Handtüchern, Laken, Decken und Windeln gefehlt. Buschheuer berichtet vom Putztag: „Geputzt werden die plastikbezogenen Matratzen – aber wohin so lange mit den Patientinnen? Wie Würmer kringeln sich die Frauen auf dem Steinfußboden, vierzig von ihnen oder mehr, vertiert, halb nackt, sich beschmutzend, mit geschorenen Köpfen. (…) Wenn ich meinen Fotoapparat dabei hätte (fotografieren ist nur mit Sondergenehmigung erlaubt), würde ich diesen Anblick festhalten, um das Foto amnesty international zu schicken, und ich würde jeden niederschlagen, der mich daran hindert. … Ich brülle: ‚Es sind Menschen! Sie haben ein Recht auf Würde!‘ Dmitri [ein Freiwilliger, NPR] hat keinen Schimmer, wovon ich rede. Seit Urzeiten wird das so gemacht am Putztag. Er schuftet in der Doppelschicht, mehr als acht Stunden täglich, wie ein Pferd.“[3] Buschheuer spricht von einem „Kuschelzoo des Grauens“. Die Freiwillige Mary Loudon fühlte sich beim Anblick der Sterbenden an die KZ-Bilder von Bergen-Belsen erinnert: Es gibt keinen Garten … nichts. Ich konnte es nicht fassen. Zwei Räume mit 50 bis 60 Männern in dem einen und 50 bis 60 Frauen in dem anderen. Sie sterben. Sie bekommen nicht gerade viel medizinische Versorgung. Sie bekommen kein Schmerzmittel außer Aspirin … und das bei den Schmerzen bei Krebs im Endstadium.“[4] Der Freiwillige Hemley Gonzalez berichtet von seinen Erlebnissen in der Niederlassung des Ordens in Kalighat 2008: „Ich war schockiert über die Nachlässigkeit. Nadeln wurden unter kaltem Wasser abgewaschen und wiederverwendet und den Insassen wurde abgelaufene Medizin gegeben. Es gab Leute, die eine Chance zum Leben gehabt hätten bei einer ordentlichen Versorgung,“ so Hemley. Ein Freiwilliger habe versehentlich einen gelähmten Kranken Essen gegeben, an dem dieser zu Tode erstickt sei. In einem anderen Fall wurde ein infizierter Zeh ohne Betäubung abgeschnitten. Der Immobilienhändler begann auf Facebook die Kampagne „Stop Missionaries of Charity“. Mit Freunden und ähnlich empörten und enttäuschten Freiwilligen gründete er die Hilfsorganisation „Responsible Charity“. Ein Motto der Organisation: „Medizin und Bildung scheinen effektiver als Gebete zu sein.“ Sie legen besonderen Wert auf Transparenz der Finanzen. Ihre Homepage zeigt täglich den Stand der Bilanz, der Bürokosten und der Ausgaben. Sogar die einzelnen Rechnungen werden auf Facebook veröffentlicht.[5]

Hemley Gonzalez mit einem schwer kranken Mann (Foto: H.Gonzalez)

Hemley Gonzalez mit einem schwer kranken Mann (Foto: H. Gonzalez)

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