Nicolaus Raßloffs Blog

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„Eiserner Gustav“

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Der SS-Blockführer Gustav Sorge mit dem Spitznamen „Eisrener Gustav“ war ein besonders brutaler SS-Mann. Bei der Einlieferungsprozedur der Gefangenen, musste diese nach einigen Stunden Strammstehen eine Befragung durch die SS ergehen lassen:

„’Warum hierhergekommen?“, war die erste Frage des „Eisernen an den Flügelmann im ersten Glied … Ein Faustschlag ins Gesicht belehrte ihn, dass die Antwort nicht ausreichend sei. „Was hast du Halunke ausgefressen, das will ich wissen!“, fuhr ihn der „Eiserne“ an, „erst will ich die Antwort haben, ehe Du Schwein Dir das Blut von der Fresse wischst!“ „Ich bin denunziert worden, warum und von wem, weiß ich nicht“, antwortete er bestimmt und steckte das vom Nasenblut durchgefeuchtete Taschentuch wieder in die Rocktasche. „Ja, ja ihr unschuldsvollen Engel! In welcher Partei gewesen?“, wollte der „Eiserne“ wissen. Als er mit „Sozialdemokrat“ antwortete, erhielt er einen Kinnhaken, dass er zurücktaumelte und den Hintermann ins Wanken brachte. „Willst Du Sack wohl stillstehen!“ und schon hatte auch dieser, der sich als Kommunist bekannte, einen Fußtritt in die Leiste, dass er sich vor Schmerzen krümmte und niederkniete … Etwas lebhafter ging es im letzten Glied zu, wo der „Eiserne“ einen Juden aufstöberte und ihn nach „Woher und Warum“ fragte. Er war ein Kaufmann, soweit aus den wenigen Worten zu entnehmen war. Der „Eiserne“ gab ihm einen Rat: „Ich gebe ihnen einen Strick, mit dem sie sich innerhalb 36 Stunden aufzuhängen haben, andernfalls ich nachhelfen werde.“
(Heinrich Lienau, Zwölf Jahre Nacht, zit. in Manuela Hrdlicka, Alltag im KZ, Das Lager Sachsenhausen bei Berlin, Opladen 1992:, S.59)

Der Gefangene Leon Szalet beschreibt die Wutausbrüche Gustav Sorges während des Appells:
„Er pflegte mit einem heisernen Kriegsgeschrei zu uns hereinzustürzen, ein irrsinniges Glimmern in seinen Augen, und während der Geifer [die Spucke NS] durch seinen ausgefransten Mund lief, blindlings nach allen Seiten mit seinen Stangen zu stoßen. Das Schlagen dauerte so lange, bis die Mordwaffen in Splittern und Stücken auf dem Boden verstreut waren. Dann war der Höhepunkt seiner wilden Orgie erreicht u. er tänzelte seelenruhig davon, als wäre nichts Ungewöhnliches geschehen“
(Leon Szalet, Baracke 38, Berlin 2006, S.215)

Gustav Sorge beim Sachsenhausen-Prozess im Okt. 1947:
„Ich habe persönlich jeden Tag Häftlinge geprügelt und benutzte dabei nicht nur Hände und Füße, sondern auch Stöcke, Bretter, jeden beliebigen schweren Gegenstand. Ich verteilte Schläge aus jedem beliebigen Grund und auch ohne jeglichen Grund: für Husten und für Sprechen im Glied, für ein nicht genügend munteres Aussehen, für das Aufheben eines Stummels am Wege, für Rauchen während der Arbeitszeit oder einfach dafür, weil mir das Gesicht des Häftlings zu ernst erschien.“ (Wikipedia über Gustav Sorge)

Gustav Sorge wurde zu Lebenslanger Haft und Zwangsarbeit in das Gulag Workuta der UdSSR verurteilt. 1956 kam er im Zuge der Freilassung von deutschen Kriegsgefangenen in die BRD und wurde 1958 erneut zu lebenslanger Haft  verurteilt.  Ihm wurde Mord in 67 Fällen vorgeworfen. Sorge starb 1978 in Haft.

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