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Konzentrationslager-SS

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Zur Sozialstruktur der Konzentrationslager-SS

Der soziale Hintergrund der Konzentrationslager-SS lässt sich nach der Historikerin Karin Orth wie folgt zusammen fassen:

  • meist stammten die Männer der KZ-SS aus kleinen mittelständischen Haushalten oder dem Milieu der unteren und mittleren Angestellten und Beamten, darunter waren wenig Bürgerliche (Orth 2000: 88)
  • Abteilungsleiter hatten meist einen Volksschulabschluss, Kommandanten einen mittleren oder höheren Schulabschluss
  • Abteilungsleiter und Kommandanten hatten oft vorher einen  kaufmännischen oder handwerklichen Beruf
  • die Heirat im gleichen Milieu war obligatorisch (fast alle bis Ende 2.WK), meist hatten die Familien zwei bis drei Kinder

„Die Mitglieder der Konzentrationslager-SS stammten also nicht aus sozialen Randgruppen, sondern aus der Mitte der Weimarer Gesellschaft. Sie wuchsen in mittelständischen Familien auf, die von der ökonomischen, politischen und sozialen Krise am schärfsten betroffen waren und sich vom sozialen Abstieg bedroht sahen. Ein nicht kleiner Teil der Abteilungsleiter verlor in den dreißiger Jahren kurzfristig oder dauerhaft den Arbeitsplatz. Eine fast doppelt so große Gruppe hingegen 68,1% der Verwaltungsführer, 61,1% der Kerngruppe) war vor der hauptamtlichen Anstellung in der SS nicht arbeitslos.“ (Orth 2000: 88)

„Die meisten Männer der Konzentrationslager-SS hatten bereits als Jugendliche Kontakt zum völkischen Milieu, das nationalistisch und antisemitisch war. Nach der Machtübergabe an Hitler bot sich ihnen die Möglichkeit ihr politisches Engagement beruflich zu professionalisieren.“ (Orth 2000:125f.)

Zur Ausbildung der Konzentrationslager-SS

Der Inspekteur der Konzentrationslager, Theodor Eicke, meinte über die ihm untergebenen Totenkopfverbände: „Wir sind keine Gefängniswachmeister, sondern politische Soldaten. … Beamte werden bequem, dick und alt. Als Kämpfer bleiben wir gesund und lebendig.“
(Kommandanturbefehl 1/1934 v.2.6.’34 ; zit. in Ort 2000: 128)

Nur wenige SS-Männer konnten einsehen, dass sie den pervertierten militärischen Drill als Demütigung und inhumane Schikane erfuhren, meist protzten sie damit zu „harten Männern“ gereift zu sein. So zitiert Orth den ehemaligen SS-Mann Baer: „Je mehr wir geschliffen wurden, je stolzer waren wir darauf“ (zit. in Orth 2000: 129). Ziel der Ausbildung war der Willensbruch und die Demütigung:

Patronen, die beim Füllen des Patronengürtels zu Boden fielen, mussten mit dem Mund aufgehoben werden. Ein junger SS-Mann verweigerte sich dieser Praxis: „Wie ein Raubtier auf seine Beute losspringt, so kommt er [der Unterführer, NPR] auf mich zu , führt sein Gesicht ganz nahe an das meine heran, so daß zwischen seiner Nase und meiner Nase keine zwei Millimeter sind, und brüllt in dieser Stellung was er kann . … Nachdem er ausgebrüllt hat, übergibt er mich dem stellvertretenden Gruppenführer. Der macht mit mir zehn Minuten lang Theatervorführung. [Auf Befehl wirft er die Patrone weg und hebt sie wieder mit der Hand auf, daraufhin kommt er zum Unterführer, bei dem er mit vorgehaltenem Gewehr 50 Kniebeugen machen muss, NPR] … Es ist nur die Frage, ob man moralisch vorher fertig wird. Und so kommt es auch. Bei 20 Kniebeugen höre ich auf zu zählen Ich kann nicht mehr! Ich mache noch eine Kniebeuge, dann nehme ich das Gewehr ab und steh auf. Ich kann nicht sagen, dass ich etwas dabei denke, ich weiß nur, dass ich am Ende bin. Ich höre noch einmal das Brüllen, aber das interessiert mich nicht mehr, weil ich mich plötzlich nicht mehr beherrschen kann. Ich muß weinen, obwohl das nicht mannhaft und soldatisch ist. […] Ich bin einfach am Ende. Wie er das sieht, brüllt er : ‚Achtung!’ und dann: ‚Sie Schlappschwanz! Sie Muttersöhnchen! Sie Heulsuse“ Einen heulenden SS-Mann gab es noch nie!’ … Er gibt mir noch den Befehl eine Woche lang sämtliche Kos im ersten Stock sauber zu machen und nachher zwecks Besichtigung ihm zu melden. Und dann befielt er noch schnell: ‚Werfen Sie die Patrone weg!’ Ich tue dies und ohne überhaupt darauf zu warten oder ach nur hinzusehen, ob er mit dem Daumen hinunterzeigt, hebe ich sie mit dem Mund auf“ (Buchheim, Befehl 254, zit. Orth 2000:129).

Quellen:
Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien, Göttingen: Wallstein 2000. (Rezension)


rge ist im sowjetischen Sachsenhausen-Prozess 1947 zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden, wurde 1959 nach seiner Entlassung (wahrscheinlich in der BRD) zu Lebenslänglich verurteilt

Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien, Göttingen: Wallstein 2000

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