Nicolaus Raßloffs Blog

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Widerstand

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Arnold Weiss-Rüthel beschreibt hier eine der wichtigsten Widerstandsstrategien:
„Diese Leichenkammer befand sich zu jener Zeit in einer an die Tuberkolosen-Abteilung des Krankenbaues grenzende Baracke. In ihr waren Hunderte von Särgn aufgestapelt, de auf den Abtransport in das Lager-Krematorium warteten. Da es mehr Leichen gab, als das Krematorium verbrennen konnte, waren viele schon acht und zehn Tage alt. Der Geruch in diesem von Tausenden von Fliegen erfüllten Raum war unerträglich. Hinter dem Eingang dieser trostlosen Baracke befand sich ein etwa3 qm großer freier Raum, in dem ein Tisch, zwei Stühle und ein eisernes dreibeiniges Waschbecken standen. Die Wände dieses Verschlages wurden an zwei Seiten von übereinandergestapelten Särgen gebildet und an einer dieser schauerlichen Kisten hing mit Reißzwecken befestigt, gleichsam als Wandschmuck, der Öldruck einer nackten rosigen Frau auf einem von Rosen und Lilien umwucherten Sofa. In diesem Raum hauste der Vorarbeiter des Kommandos der Leichenträger. Hier trank er seinen Kaffee, rauchte seine Zigaretten. An jenem Sonntagmorgen rasierte er sich gerade. Er hatte seine Not mit den unzähligen Fliegen, aber er wurde schließlich doch mit dem Verschönerungswerk fertig. Diesem Manne, der aus dem Zuchthaus ins Lager gekommen war, verdankte ich viel. Er bewies mir durch sein unbekümmertes Verhalten, daß ihn weder Tod noch Teufel daran hindern konnten, sich um die Pflege seines Äußeren zu kümmern. Ich beschloß, es ihm gleichzutun und Schritte zu meiner Rettung zu unternehmen.“
(Arnold Weiss-Rüthel, Nacht ud Nebel, 1946: 64-65).

Meuterei

Eine der eindrücklichsten Widerstandsaktionen war der Aufstand von 18 Juden am 22. Oktober 1942. Sie dachten fälschlicher Weise sie würden bald exekutiert werden. Sie bekamen ihre letzten Habseligkeiten abgenommen, alte Kleider und Holzpantinen, wobei ihnen ein SS-Blockführer andeuteten, sie würden „durch den Schornstein“ gehen. Schließlich wurden sie in eine Isolierbaracke eingesperrt. Sie brachen aus der bewachten Baracke aus, rannten während des Abendappells auf den Appellplatz und beganen einen Kampf mit den SS-Männern. Dabei riefen sie „Schießt doch ihr Hunde!“, „Wir lassen uns nicht abschlachten!“ oder „Wir wollen im Kampf sterben!“. Erstaunlicher Weise wurde diese Widerstandsaktion nicht bestraft.
Der KZ-Überlebende Adam König berichtet davon in einem Interview mit der Jungle World.

Vgl. Konrad Kwiet, Helmut Eschwege, Selbstbehauptung und Widerstand. Deutsche Juden im Kampf um Existenz und Menschenwürde 1933-1945, Hamburg 1984, S. 285.

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