Nicolaus Raßloffs Blog

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Zivilbevölkerung

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Leon Szalet

„Eine lüsterne Menschenmasse beiderlei Geschlechts stand am Fuße der Treppe, sogar Mütter mit Kindern auf dem Arm waren erschienen. … Alte und junge, Männer- und Frauenstimmen verbanden sich zu einem grauenhaften, blutrünstigen Chor: ‚Tötet die Bromberger Mörder! Tötet die polnischen Heckenschützen!  Rache für die Brüder in Polen! Blut für Blut‘, … Steine, Holzstücke, Nägel und Straßenkot wurden nach uns geworfen.“
(Leon Szalet, Baracke 38, Berlin 2006, S.31)
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die in Berlin lebenden polnischen Juden im Konzentrationslager Sachsenhausen eingesperrt. In der gleichgeschalteten Presse wurden kurz zuvor die propagandistisch massiv erhöhten Opferzahlen aufgrund von Angriffen von Polen gegenüber Deutschen in Polen veröffentlicht. Die NS-Propaganda sprach laut Wikipediaeintrag  zum „Bromberger Blutsonntag“ von 58.000 deutschen Opfern, während später die Angaben von Historikern zwischen 700 und 1200 liegen.

Thomas Buergenthal

„Der Weg von Heinkel nach Sachsenhausen – er war nicht weit – führte nach Oranienburg. Die deutschen Bewohner starrten uns an oder drehten uns den Rücken zu, als wir an ihnen vorbeikamen. Ein paar Kinder bewarfen uns mit Steinen.“ (Thomas Buergenthal, Ein Glückskind, Bonn 2007, S. 117)
Thomas Buergenthal war als Kind im Konzentrationslager Sachsenhausen. Hier beschreibt er die Abneigung der Oranienburger Zivilbevölkerung.

Brief eines jungen Zivilisten aus der KZ-Nachbarschaft

„Hier ist auch ganz in unserer Nähe ein großes Sträflingslager. Rechts gegenüber von uns ist ein Posten auf einem Hochstand. Und gegen Abend werden zwei Maschinengewehre beim Posten aufgebaut. Dann wird die Straße , die mitten durch das Lager geht, für Zivil, Autos und Pferdewagen abgesperrt. Zu beiden Seiten der Straße kommt bald eine hohe mauer, wo oben drei Drähte Hochspannung gezogen sind. Hundert Meter weiter weg ist eine Brandbombe gefallen. Der liebe Gott möge Dich behüten es zu tragen. Herzliche Grüße und Küsse
Dein Sohn Dieter“

Der kleine Dieter verbrachte seine Ferien in Oranienburg. Dieser Brief an seinen Vater wird in der Audioguide-Führung der Gedenkstätte zitiert. (Audioguide-Manuskript, S. 11)

Die Zivilistin Ursula K. aus Oranienburg

„Wir durften in die Kolonne nicht hineinschauen, sonst liefen wir Gefahr der Kontaktaufnahme verdächtigt zu werden. Wenn jemand aus der Postenkette ausbrach, schrie  die SS: ‚Türen zu, Fenster zu'“
(Interviewauszug aus der Ausstellung „Die Stadt und das Lager 1936-1945“ in Turm E auf dem Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen)

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